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Mazedonien und Albanien
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Die Mazedonisch Grenze, die ich kurz danach erreichte, übertraf an Schikane so ziemlich alles, was ich bisher erlebt hatte. Nachdem der Zöllner in meinem Pass den Türkischen Einreisestempel entdeckt hatte und zudem noch mehrere alte aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, war für ihn klar: Dieser Biker schmuggelt Rauschgift!

Alukoffer und Packsäcke werden untersucht und tatsächlich verlangt er, ich solle den Tank öffnen. Der ist randvoll. Mit seiner Taschenlampe versucht er krampfhaft am Boden doch noch das eine oder andere Tütchen zu entdecken. Fehlte bloß noch, dass ich den Sprit hätte ablasen müssen. Volldepp, denke ich mir, als ich alles wieder zusammenpacke. Im Nachhinein kann ich ihn verstehen, habe ich doch so schön in sein Weltbild gepasst.

Knapp zwei Stunden später stehe ich vor der albanischen Grenze und bin jetzt so richtig neugierig, was die sich ausgedacht haben. Der Oberaufpasser deutet mir, ich solle das Motorrad an die Seite stellen, meinen Pass bei der Polizei stempeln lassen und zum Zoll gehen, damit die Fahrzeugdaten erfasst werden.

Gesagt getan und 10 Minuten später bin ich - vollkommen baff, wie problemlos das ging - in Albanien.

Zur Reisevorbereitung hatte ich mir unter anderem die ADAC Reisekarten besorgt. Dort wird vor dem miserablen Straßenzustand in Albanien ausdrücklich gewarnt, „höchste Vorsicht ist geboten“ steht dort. Nachdem ich sicherheitshalber 10 Euro in Albanische Lek gewechselt hatte, war ich auf das Schlimmste gefasst. Doch Fehlanzeige. Waren es Fördergelder oder die eigene Staatskasse, die Strassen sind bestens.

Was bei mir allerdings heftigstes Kopfschütteln bis hin zu vollkommener Verständnislosigkeit auslöste, war das, was sich direkt hinter der Grenze darbot. Wie so häufig, liegt auch der Grenzübergang am Ohrit See, den ich benutzt habe, auf einer Anhöhe.
Hunderte von Erdbunkern erwarten mich nur wenige Meter hinter dem Schlagbaum. Scheinbar ist der gesamte Hügel vollkommen mit Tunnels unterhöhlt und im Abstand von nur wenigen Metern erkennt man Betonkuppeln mit Sehschlitzen. Vor was hatten diese Menschen Angst? Welche Reichtümer hätte ein Land diesem Volk rauben sollen? Wie vollkommen verblendet, um nicht zu sagen verblödet, muss diese Regierung gewesen sein?

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Sei’s drum. Die Landschaft ist gigantisch. Die Strecke führt mich nach Elbasan und von dort weiter zur Hauptstadt Tirana. Nicht auf der Karte erkennbar ist, dass es sich bei diesem Abschnitt um eine Gebirgsstrasse erster Klasse handelt. Unmittelbar hinter Elbasan steigt die Strasse in zahlreichen Kehren steil bergan. Es eröffnen sich traumhafte Ausblicke auf die Ebene und die dahinter liegenden Gebirgszüge. Hier wird deutlich, wie bergig Albanien ist. Kaum kann ich glauben, das ich mich auf nur 500 Meter Meereshöhe bewege. Die Streckenführung hat hochalpinen Charakter und jeder Dolomiten Fan käme hier voll auf seine Kosten.

Kurz vor Tirana beschließe ich, nochmals zu tanken. Das Starten des Motors nach dem Tanken ist immer ein Problem. Woran es liegt weiß ich nicht aber fast immer war es irgendwann notwendig, kurz zu schieben. Dann

sprang die BMW auch sofort und ohne Probleme an, nur war ich auf die Hilfe des Tankwarts angewiesen. Mit den Koffern und dem ganzen Gepäck wog die Fuhre locker 350 Kilo und Aufspringen ist dann auch nicht mehr so lustig.

An dieser Tankstelle arbeitete ein Mann, der so unglaublich fett war, dass selbst sein XXL T-Shirt seinen Bauch nicht ganz bedecken konnte. Genau der musste nun dran glauben. Brav machte ich meine Turnübungen auf dem Kickstarter, um nach dem 20. Mal die übliche „push-Bewegung“ mit den Händen anzudeuten.

Tatsächlich schob der Gute auch, nur diesmal sprang die Kuh nicht an. Fluchend und ohne mich eines weiteren Blickes zu würdigen ging er zurück zu seinem Gartenschlauch, um seine Arbeit, das Klo damit auszuspritzen, weiter fortzusetzen.

Und ich stand da, auf der Hauptstrasse nach Tirana, inmitten hupenden Verkehrs und guckte dumm. Wenigstens viel die Strasse leicht ab, als ich mich dann eben selbst abmühte und, wie auf ein Fahrrad, über die Fußraste auf die Fuhre aufsprang. Kupplung kommen lassen und – der Boxer boxt wieder.

Tirana ist ein graus. Die Stadtverwaltung hat einige Betonblocks bunt streichen lassen, damit das Stadtbild etwas freundlicher wirkt. Es gibt keine Beschilderung. Von der Karte her muss ich einfach nur gerade durch, direkt durch die Innenstadt. Quasi im Vorbeifahren werden die wichtigsten Sehenswürdigkeiten abgelichtet. Mag sein, dass ich der Stadt Unrecht tue, selektive Wahrnehmung wahrscheinlich.

Ohne mich groß zu verfahren lande ich kurze Zeit später auf einer mindestens 5-spurigen Strasse stadtauswärts. Der einzigen Beschilderung „Airport“ folgend, treffe ich tatsächlich auf die Landstrasse nach Shkoder. Wie vom Kartenverlauf her nicht anders zu erwarten, verläuft diese nahezu ohne jegliche Kurven geradeaus nach Norden. Die Strecke ist vollkommen überlastet und wird zudem gerade ausgebaut. Das ist dringend notwendig, verschlimmert die Situation jetzt aber natürlich zusätzlich. Jeder Kieslaster, der mit 30 km/h dahinschleicht verursacht einen kilometerlangen Stau. Überholen scheidet aus, da es in der Gegenrichtung genauso aussieht.

Auf einer Reise nach Saigon vor einigen Jahren dachte ich mir schon, wenn jeder der heute mit einem Fahrrad herumfährt später ein Auto lenkt, ist hier kein Durchkommen mehr und genau so verhält es sich in Albanien. Das Auto ist in 10 Minuten gekauft, der Ausbau der Strassen benötigt Jahre.

Am Horizont wachsen bedrohlich riesige Wolkenberge heran, deren Farben von Weiß über Grau in tiefes Schwarz übergehen. Schon sieht man die Regenschleier, die sich an den Gebirgshängen etwas weiter östlich bilden. Es ist zwar erst 5 Uhr Nachmittag, dieses Unwetter mit dem Motorrad zu durchfahren, das muss aber jetzt auch nicht unbedingt sein und ich halte nach einem Hotel Ausschau.

Gleich einige Kilometer weiter erblicke ich links ein passabel aussehendes Gebäude. Im Erdgeschoss ein nettes Restaurant, außen herum ein paar Geschäfte und eine Tankstelle. Passt, denke ich mir, fahre von der Strasse runter und frage nach dem Preis. 20 Euro ist die Antwort. Ob ich das Zimmer sehen möchte. Ja bitte. Dann denke ich, mich trifft der Schlag. Ein vollkommen verranztes Dreckloch mit Betten, in denen die Uroma des Besitzers wohl schon geschlafen hat, erwarten mich. Ungläubig frage ich: „20 Euro – dafür?!“ „Ja, Du hast aber eigens Bad.“ Ich werfe einen Blick ins Bad, die Klobrille fehlt und auch sonst würde ich hier wahrscheinlich nur mit Endurostiefeln hineingehen. „Das zahle ich nicht“ ist meine Antwort. „Wieviel?“ „10 Euro“ ringe ich mir ab, „aber mit Frühstück!“ Palaver zwischen den beiden, die mir das Zimmer zeigen, schließlich: „Nein, 20 Euro!“ Ohne ein weiteres Wort drehe ich auf dem Absatz um und kann noch Kilometer weiter nur den Kopf über diese Frechheit schütteln.

Direkt am Stadtrand von Shkoder sehe ich wieder eines. Ein kompletter Neubau. Für 25 Euro bekomme ich ein Zimmer, in dem ich wohl der erste oder zweite Gast bin – so kann es gehen.

Nicht weit ist es von hier zur montenegrinischen Grenze, die direkt durch den Shkoder See führt. Meine Entscheidung fällt auf den kleinen Grenzübergang bei Sukobin. Die Strasse finde ich wieder nur mit Fragen, Beschilderung gibt es keine. Jetzt endlich kann ich mir vorstellen, was man beim ADAC mit „schlechter Strasse“ meinte. Diese ist tatsächlich in einem erbärmlichen Zustand aber was soll’s, 225 mm Federweg vorne und 180 hinten bügeln die gröbsten Unebenheiten platt. weiter lesen >>


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